Ein Rosé für Rotweinliebhaber

Ein Rosé für Rotweinliebhaber - Lacules

Rosé war vielleicht nicht das, was man von Lacules als Nächstes erwartet hätte.

Wir sind nicht unbedingt Menschen, die einem Trend folgen, nur weil er gerade sichtbar ist. Im Weinbau wäre das auch schwierig. Reben reagieren nicht auf Mode. Entscheidungen, die man im Weinberg trifft, brauchen Jahre, manchmal Jahrzehnte, bis sie wirklich Ausdruck finden.

Und vermutlich stehen wir mit Lacules ohnehin nicht immer auf der Seite des aktuellen Trends. In einer Zeit, in der Leichtigkeit, helle Farbe und niedriger Alkohol oft im Vordergrund stehen, entstehen bei uns Weine mit Kraft, Reife und Konzentration. Nicht, weil wir bewusst gegen etwas arbeiten. Sondern weil wir versuchen, diesen Ort ehrlich zu übersetzen.

Koroni ist kein kühler, zurückhaltender Ort. Es ist ein Ort von Sonne, Wärme, Stein, Meeresbrise und Trockenheit. Ein Ort, an dem Tomaten nicht nur rot sind, sondern nach Sommer schmecken. An dem Wassermelonen nicht einfach süß sind, sondern dicht, reif und voller Geschmack. Genau diese Art von Reife suchen wir auch in unseren Trauben. Nicht Schwere. Aber Ausdruck. Geschmack. Herkunft.

Und dann kam dieser Rosé.

Er war nicht geplant als Antwort auf einen Markttrend. Er ist uns eher passiert. 2024, während eines unserer Experimente im Keller. Einige Partien wurden als Saignée vinifiziert — also früh vom Rotweinmost abgezogen. Schon nach wenigen Minuten auf der Maische, direkt nach dem Entrappen und Anquetschen, hatte der Most eine deutliche pinke Farbe angenommen. Reife Trauben, hohe Konzentration, viel Farbe in der Beerenhaut: Manchmal zeigt ein Wein sehr früh, dass er andere Pläne hat.

Eigentlich wollten wir daraus einen Schaumwein für die Familie machen. Doch schon während der ersten Tage der Gärung wurde klar, dass dieser Wein eine andere Richtung nahm. Duftiger, beeriger, kräftiger, als wir erwartet hatten. Nach der Gärung war klar: Das wird kein Schaumwein.

Von diesem ersten Rosé gab es nur sehr wenig. Und er war schneller weg, als wir erwartet hatten.

2025 wollten wir wissen, ob sich diese Richtung noch einmal in die Flasche bringen lässt. Nicht als Kopie des ersten Jahrgangs, sondern als Bestätigung einer Idee. Gut, dass wir mit Jörg einen Forschungschemiker im Keller haben, der jedes Detail genau dokumentiert. Denn manchmal zeigt sich gerade in der Wiederholung, ob etwas nur passiert ist — oder ob man verstanden hat, warum es passiert ist.

Der Rosé 2025 ist ein Blend aus Grenache, Merlot und Avgoustiatis. Auf den ersten Blick vielleicht ungewöhnlich. Für uns erzählt er viel darüber, wer wir sind: alte Grenache- und Merlot-Reben, verbunden mit einer neu gepflanzten autochthonen griechischen Sorte. International und griechisch. Gewachsen und neu.

Auch im Keller blieb er näher am Rotwein als an einem sehr hellen, kühlen Rosé-Stil. Die Gärung durfte etwas wärmer verlaufen, anschließend kam der Wein ins gebrauchte Barrique — bewusst gebraucht, damit das Holz nicht über die Frucht spricht. Regelmäßige Bâtonnage gab ihm Cremigkeit und Textur.

Was uns am 2025er besonders fasziniert, ist seine scheinbare Süße. Auf dem Papier ist er trocken, mit nur rund 1,6 Gramm Restzucker. Und doch wirkt er am Gaumen reifer, runder, fast süßer, als es die Analyse vermuten lässt. Diese Wahrnehmung kommt nicht vom Zucker, sondern von der Reife der Trauben, von Frucht, Extrakt und Textur.

Vielleicht hat uns dieser zweite Jahrgang sogar noch mehr überzeugt. Nicht, weil er identisch ist. Das wäre im Wein ohnehin kein sinnvolles Ziel. Sondern weil er wieder das zeigt, was wir gesucht haben: reife Frucht, Farbe, Cremigkeit und diese Nähe zum Rotwein, die ihn für uns so spannend macht.

Ein Rosé im Lacules-Stil.

Vielleicht ist er zu viel für einen heißen Sommertag auf der Terrasse, wenn man etwas ganz Leichtes sucht. Dafür gehört er umso mehr an den Tisch. Zu mediterranen Meze, gegrilltem Gemüse, Tomaten, Paprika, Oliven, cremigen Dips. Zu kräftigerem Fisch, gegrilltem Thunfisch, gebratenem Huhn, Schwein oder Kalb. Zu Gerichten, die selbst Geschmack haben und keinen Wein brauchen, der sich versteckt.

Wir nennen ihn Rosé für Rotweinliebhaber, weil er näher am Rotwein steht als an der Idee eines blassen Sommerweins. Nicht laut. Aber reif, beerig, cremig und mit genug Struktur, um ein Essen zu tragen.

Er ist nicht entstanden, weil Rosé gerade im Trend liegt.

Er ist entstanden, weil ein Wein im Keller plötzlich gezeigt hat, dass er eine eigene Richtung hat. Und weil wir dieser Richtung gefolgt sind.

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